Gartenstadt Karlshorst - Planungsidee und Leitlinien

Das vom Architekt Klaus Theo Brenner entwickelte Konzept der „Gartenstadt Karlshorst“ stellt in Erweiterung eines gewachsenen grünen Stadtviertels und um bestehende Baudenkmäler herum das Idealbild einer Gartenstadt dar, soweit es sich um deren bauliche und räumliche Charaktereigenschaften handelt: Häuser mit Vorgärten begrenzen den öffentlichen Straßenraum, der durch markante Straßenkreuzungen, Plätze und öffentliche Grünflächen akzentuiert wird. Eine ganze Palette von unterschiedlichen Haustypen, unterschiedlicher Form und Größe wird den verschiedenen Vierteln der Gartenstadt zugeordnet, wobei nicht zuletzt das Dach und die Dachform eine große Rolle im differenzierten Erscheinungsbild der Gartenstadt spielen. Bei aller Vielfalt wird im Ganzen eine gewisse Harmonie und Einheit angestrebt, z.B. in Bezug auf die Farben und alle verwendeten Materialien bis zur Gestaltung der Vorgärten (die Gestaltung der privaten Gärten hinter den Häusern liegt in der Hand der Hauseigentümer).

Gartenstadt Hellerau
Gartenstadt Hellerau

Gartenstadtidee wird weiter entwickelt
Das ursprünglich im Jahr 1898 von dem Briten Ebenezer Howard entworfene Modell der „Gartenstadt“, das als ein Referenzmodell für „gutes Wohnen“ – durchaus städtisch in der Anlage, aber moderat im Maßstab und mit viel Grün gedacht war, hat in Deutschland neben der bekannten Gartenstadt Hellerau und vielen anderen Beispielen, besonders in Berlin um 1910 die Tradition der Stadtreform begründet, mit bis heute faszinierenden Beispielen, die sich in ihren Qualitäten vom öffentlichen Raum (Straßen und Plätze) über das Haus zum Garten in einer städtischen Grunddisposition grundlegend unterscheiden vom „Siedlungsbau“, der in der Folge der Gartenstadt bis heute die Umgebung unserer Städte zersiedelt und zerstört hat. Das Konzept „Gartenstadt Karlshorst“ knüpft bewusst an die Tradition der Gartenstadt als „grüne Stadt“ an und versteht sich gleichzeitig als Gegenmodell zum aufgelösten Siedlungsbau auf der grünen Wiese.

Gartenstadt Karlshorst (Visualisierung Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)
Gartenstadt Karlshorst (Visualisierung Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)

Gartenstadt Karlshorst
Um diese Qualitäten zu sichern, hat der Verfasser des Masterplans „Gartenstadt Karlshorst“, sämtliche Haustypen mit allen dazugehörigen Details entworfen. Bei der Vielzahl an angebotenen Haus- und Grundrisstypen wird damit eine durchgehend hohe Qualität in allen Teilen gewährleistet, die den zukünftigen Bewohnern zu Gute kommen soll. Dieser spezielle Aspekt von „Gemeinschaftlichkeit“ ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Gartenstadt, wo das Einzelne in einem harmonischen Gesamtbild aufgeht. Die „Gartenstadt Karlshorst“, die man unter diesen Voraussetzungen fast eine Idealstadt nennen könnte, wird in ihrer Qualität noch besonders dadurch hervorgehoben, als sich östlich davon das zukünftige Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Biesenhorster Sand“ erstreckt. So entsteht eine wahre Stadt-Land-Beziehung mit hohem Nutzwert für alle Bewohner.

Städtebaulicher Rahmenplan der Gartenstadt Karlshorst (Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)
Städtebaulicher Rahmenplan der Gartenstadt Karlshorst (Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)

Masterplan der Gartenstadt Karlshorst
Die „Gartenstadt Karlshorst“ gliedert sich in drei Stadtteile: Im Norden das Quartier Am Biesenhorster Sand mit dem klassizistischen Bunker, der zu einem Ausstellungshaus umgebaut werden soll. Dieses Quartier grenzt direkt an das zukünftige Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Biesenhorster Sand“ an. Südlich davon liegt um den neuen Stadtgarten herum das Quartier Am Stadtgarten (einschl. der ehemaligen Pionierschule, die unter Denkmalschutz steht), welches mit dem Deutsch-Russischen Museum abschließt und zum Quartier An der Promenade überleitet. Dessen Hauptachse, die so genannte Promenade führt an den denkmalgeschützten, ehemaligen Flugzeughallen entlang, welche zu Wohnhäusern umgebaut werden sollen, und bildet den südlichen Abschluss. In der Mitte des neuen Stadtviertels, im Bereich des Deutsch-Russischen Museums liegt der Hauptzugang zur Gartenstadt mit einem öffentlichen Platz, an dem das Zentrumshaus (mit Läden und Büros) liegt. Dieser Platz ist Stadteingang sowohl in Richtung Nordosten ins Quartier Am Stadtgarten, wie auch in Richtung Süden ins Quartier An der Promenade.
Der Masterplan ist Grundlage der Bebauungspläne XVII-50aa und XVII-50ab und legt sämtliche Gebäudetypen, die öffentlichen Räume und Freiflächen fest; er dokumentiert städtebaulich und architektonisch die Übereinkunft zwischen Stadt, Bauherr und Architekt.



Haustypen
Je nach Lage innerhalb der Gartenstadt und seiner Quartiere wird eine ganze Reihe unterschiedlicher Haustypen angeboten. Dieses Angebot an Haustypen wird ergänzt durch Varianten in Größe und Dachform, so dass insgesamt gesehen eine große Angebotsvielfalt entsteht, sowohl im Bereich des Einfamilienhauses, wie auch im Bereich des mehrgeschossigen Wohnungsbaus. Der Umbau der denkmalgeschützten Flugzeughallen im Viertel „An der Promenade“ ermöglicht ein besonderes Wohnangebot (und sichert gleichzeitig den Bestand der Hallen). Die wichtigsten Haustypen sind den einzelnen Quartieren zugeordnet:


Perspektive Planstraße 4 (Visualisierung Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)
Perspektive Planstraße 4 (Visualisierung Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)

» Am Biesenhorster Sand:

• freistehende Einfamilienhäuser verschiedener Größe, Gestalt und Dachform
• gereihte Einfamilienhäuser verschiedener Größen und Varianten
• Doppelhäuser verschiedener Größen und Varianten
• Eckhäuser verschiedener Größen und Varianten
• Einfamilienhaus-Villen verschiedener Größen und Varianten



Perspektive Planstraße 6 (Visualisierung Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)
Perspektive Planstraße 6 (Visualisierung Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)

» Am Stadtgarten:

• Stadtvillen (mehrgeschossiger Wohnungsbau)
• Hofhäuser (mehrgeschossiger Wohnungsbau)
• Reihen- und Eckhäuser (am südlichen Stadteingang)

» An der Promenade:

• freistehende Einfamilienhäuser verschiedener Größen und Varianten
• gereihte Einfamilienhäuser verschiedener Größen und Varianten
• Doppelhäuser verschiedener Größen und Varianten
• Eckhäuser verschiedener Größen und Varianten
• Stadtvillen (als Pendant zu den ausgebauten Flugzeughallen)

Die Haustypen werden im Laufe der Realisierung der Nachfrage und den spezifischen örtlichen Bedingungen angepasst. Weitere Haustypen entstehen im Zuge der weiteren Bearbeitung. Das Wohnungsangebot wird punktuell durch die notwendigen Infrastruktureinrichtungen ergänzt.

Galerie der Haustypen (Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)
Galerie der Haustypen (Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur)

Galerie
Die so genannte Galerie umfasst die detaillierte Darstellung sämtlicher Haustypen in Perspektive und Fassade. Ausgehend von der These, dass jedes städtische Haus in seiner Wirkung sowohl Kulisse, wie auch ein raumaktives Element im städtischen Raum, den wir das städtische Theater nennen, darstellt, werden sämtliche Haustypen in Grund- und Aufriss präzise komponiert und proportioniert, wobei eine Serie von Spielarten entsteht. Ein besonderes Interesse liegt dabei in der Definition und Zusammenstellung von Material und Farbe (bindend für den gesamten Prozess der Realisierung). Die Fassade als „Raumfigur“ (Peter Stephan) mit Vor- und Rücksprüngen, Fenstern, Balkonen, Erkern und Loggien, Eingang und Dach wird perspektivisch dargestellt. Beide Darstellungsarten, Aufriss und Perspektive definieren die Architektur des Hauses ohne jegliches störende Beiwerk zeitgenössischer Bildwucherei in elementarer Form – aber anschaulich.

Klaus Theo Brenner
Klaus Theo Brenner

Sieben Regeln zum guten Bauen
Bei aller Vielfalt an Haus- und Dachformen geht es immer um die Harmonie im Ganzen, um eine sichtbare Form von „Gemeinschaftlichkeit“, die unter Anderem verhindern soll, dass die jeweils eigene Investition wegen minderwertiger Architekturen in der Nachbarschaft ihren Wert auf Dauer gesehen verliert. Das Gegenteil ist beabsichtigt: Nachhaltigkeit und Wertzuwachs für das einzelne Haus durch dessen Einbindung in ein qualitätsvolles Stadtviertel, dessen Bau, abgesehen von der energetischen Optimierung in allen Bauteilen, bestimmten Regeln und Ausführungsstandards folgt. Diese werden in 7 Punkten festgelegt:

1. Eine, bei allen Variationen verwandte Architektursprache für alle Häuser mit Dach
(in unterschiedlichen Spielarten), Sockel und stehenden Fensterformaten (Variationen dazu sind quartiersspezifisch denkbar).

2. Verdeckte Dachrinnen und ein markant gestalteter Dachübergang, passend zu sämtlichen Dachtypen.

3. Eine, für jedes Viertel einheitliche, helle Putzfarbe, die zwischen Beige- und Ockertönen variiert. Eine individuelle Färbung der Fensterfaschen mit roten, grünen, blauen und gelben Tönen kennzeichnet jedes Haus auf der Straßenseite auf Grundlage eines ausgewogenen Farbkatalogs. Ähnliche Merkmale von Individualität werden quartiersspezifisch entwickelt.

4. Eine einheitliche Dachziegelfarbe (passend zur Wand- und Sockelfarbe) für jedes Viertel mit hochwertigen Dachziegeln.

5. Ein hochwertiger Fassadenklinker im Sockel, Eingangsbereich und an den Garagen in, auf den Putz und die Dachdeckung exakt abgestimmter Färbung.

6. Einheitlich gefärbte Holzfenster (mit Fensterbänken aus Sichtbetonfertigteilen), Eingangstüren und Garagentore, deren Farbe auf die anderen Fassadenmaterialien abgestimmt ist.

7. Eine einheitliche Gestaltung der Vorgärten mit Hecke und Gartentor.